Montag, 10. März 2008

POCA 2008 in Brüssel

The Mediterranean Archaeological Research Institute is proud to announce the 8th annual meeting of Postgraduate Cypriote Archaeology (POCA). This event will be held from the 27 to 29 of November 2008 at the Vrije Universiteit Brussel and the Royal Museums of Art and History.
POCA will open on 27th November at 19.00 with a keynote lecture by Dr P. Keswani at the Royal Museums of Art and History in Brussels. On Friday 28th and Saturday 29th November, young scholars are invited to present their paper. Prof. Dr em. P. Åström will close the colloquium on 29th November.

POCA is a colloquium that provides an excellent opportunity for postgraduate students and young scholars to present their research and to exchange new ideas with senior scholars.
We welcome all papers regarding archaeological, anthropological, historical, sociological or other aspects dealing with the material culture of Cyprus and related subjects, without any chronological limits.

We look forward to seeing you in Brussels!

POCA 2008 Organizing committee

http://www.vub.ac.be/mari/POCA2008.html

Montag, 28. Januar 2008

Eher unscharf... aber das sind einige der Gruppe nach 1,5 Tagen Berlin-Exkursion auf den Stufen des Pergamon-Altars...es lag garantiert nicht an dem Program, dass hier alle schon so durchhängen ;-)

Dienstag, 22. Januar 2008

Krug der Bichrome IV Ware (Bjoern Smertka)

Abb. 1 Krug der Bichrome IV Ware

Inv.-Nr.: MVF. XI b 3713 (74/655)
Fundort: Athienu
Höhe: 29,6 cm

Dieser Krug aus der Sammlung von Max Ohnefalsch-Richter (Abb. 1) hat einen eiförmigen Bauch und einen kurzen konkaven Hals, der oben zu einem kleeblattförmigen Ausguss zusammengedrückt wurde. Der Henkel führt von der Mündung bis zur Schulter, der Fuß ist ringförmig. Das Motiv, welches den größten Teil der Fläche dem Henkel gegenüberliegend, unter dem Ausguss, und der linken Seite einnimmt, zeigt einen wohl bärtigen Mann, der sich in Richtung von zwei Lotusblumen aufgestellt hat, welche sich rechts von ihm befinden. Die Figur ist in schwarzen Umrissen gemalt, welche mit roter Farbe gefüllt sind. Sie trägt einen knielangen Rock mit einem breiten Gürtel mit Schachbrettmustern und vertikalen Linien. Der Rock hat ein rotes trapezförmiges Muster auf der Vorderseite. Die Rückseite seiner Kleidung wird durch zwei kleine Dreiecke unterhalb des Rockes gekennzeichnet. Beide Arme sind hoch erhoben. In der linken Hand trägt der Mann eine Lotusblüte, an der er riecht (es sieht fast so aus, als hätte er sie gerade frisch gepflückt) und in der rechten einen an einer Schnur angebundenen Vogel, der über seinem Kopf fliegt. Auffallend ist, dass die Augenpartie viel zu tief sitzt. Die Lotusblumen lassen Ansätze von Symmetrie erkennen, die Blätter sind mit roter Farbe und/ oder Schraffierungen ausgefüllt. Zwischen der Figur und den Blüten findet man mehrere Swastikasymbole und ein sich nach oben vergrößerndes Motiv bestehend aus mehreren Pfeilen – so als ob etwas aus der Blume aufsteigt. Über der Blüte in seiner Hand finden sich mehrere kleine „W-Symbole" und im Rücken der Figur ein paar konzentrische Kreise, welche die Sonne darstellen könnten. Ohnefalsch-Richter deutete den Krug aufgrund der in Schwarz und in zwei verschiedenen Rottönen ausgeführten Bemalung als ein frühphönikisches Erzeugnis, welche vom Stil weitgehend selbständig sind. Allerdings glaubte er, in der Kleidung des Mannes ägyptische Einflüsse zu sehen. Über die Bedeutung des Bildes wollte sich Ohnefalsch-Richter nicht äußern, S. Reinach aber deutete das Bild als die Anbetung eines heiligen Baumes, was sich häufig in der assyrisch-babylonischen Kunst wiederfinden lässt. Nach neueren Untersuchungen von Einar Gjerstad lässt sich der Krug allerdings der Bichrome IV Ware zuweisen und somit in die archaische Zeit auf Zypern einordnen (700-475 v. Chr.).


Abb. 2 Motiv des Kruges

Literatur:
 Hoffmann, Edith. Zyprische Tongefäße und Terrakotten der Sammlung M. Ohnefalsch-Richter. In: Jahrbuch des Museums für Völkerkunde zu Leipzig, Band XX, S. 374-412 (Berlin 1964)
 Karageorghis, V./des Gagniers, J. La Cèramique Chypriote de Style Figuré, BC 2, Illustrations et descriptions des vases, S.59-60( Rom 1974)
 Staatliche Museen zu Berlin A.G. Leventis Foundation (Hrsg.). Antike Kunst aus Zypern, S. 85 (Berlin 2002)

Abbildungen:
Abb. 1: Staatliche Museen zu Berlin A.G. Leventis Foundation (Hrsg.). Antike Kunst aus Zypern (Berlin 2002)
Abb. 2: Karageorghis, V./des Gagniers, J. La Cèramique Chypriote de Style Figuré, BC 2, Illustrations et descriptions des vases, S.60( Rom 1974)

Weibliche Statuette der Base-Ring Ware (Lilian Schönheit)


Als Base-Ring Ware Statuetten bezeichnet man Terrakotten der späten Bronzezeit, Spätzyprisch II und III (1450 - 1200 v. Chr). Dargestellt sind nackte Frauen, die ihre Hände auf oder unter ihre Brust halten. Die Figuren haben eine Größe von 5-20 cm und sind fast immer stehend dargestellt in frontaler Ausrichtung, das Becken ist auffällig breit, die Beine verhältnismäßig lang und die Füße sind gestreckt, als stünden die Figuren auf Zehenspitzen. Die Beine sind nur grob modelliert und durch eine Kerbe getrennt, die bei einzelnen Exemplaren bis in den Oberkörper reichen kann. Auch Zehen und Hände sind durch Kerben getrennt. Ritzungen heben ein großflächiges Schamdreieck hervor, das zusätzlich noch mit kleineren Strichen gefüllt sein kann. Auch um den Hals sind oft Ritzungen, die wohl Ketten darstellen. Der Rücken ist ist nur grob ausgeformt und weist keinerlei Verzierungen auf.
Charakteristisch ist vor allem das Gesicht, an Hand dessen die Terrakotten in zwei Gruppen geteilt werden können: 'Vogelgesichtige' und 'Normalgesichtige'.
Der erste Typus bekam seinen Namen aufgrund seiner prominenten, stark gebogenen Nase und der auffällig großen Augen aus aufgesetzten Tonkügelchen, in die ein Kreis eingestanzt ist. Der Kopf an sich ist sehr klein und oftmals kaum breiter als der Hals. Ein Mund ist nicht angegeben. Die Ohren hingegen sind sehr groß und flach, sie reichen vom Nacken bis über den Kopf und haben mehrere, meist zwei runde Löcher, durch die tönerne oder metallene Ohrringe hängen. In den meisten Fällen sind die Ohrringe allerdings verloren.
Der 'Normalgesichtige'-Typus ist gekennzeichnet durch einen flachen Kopf, kleinere Ohren, die nicht durchlöchert sind und durch ein deutlich schmaleres Becken, wodurch die Figuren eine zylindrische Form bekommen. Auch bei diesem Typus sind die Augen angesetzt, allerdings weist er weniger Ritzungen auf, lediglich das Schamdreieck ist noch regelmäßig durch Ritzungen angegeben. Zusätzlich ist es durch braune oder schwarze Farbe angegeben, ebenso werden bei diesem Typus das Haar, Ketten und Details im Gesicht aufgemalt.
Beide Typen gibt es in hohl und massiv, wobei die massiven komplett mit der Hand gefertigt wurden und bei den hohlen Beine, Torso und Hals um Holzstücke herum geformt wurden. Anhand zerbrochener Exemplare ist erkennbar, dass die hohlen Statuetten aus drei Teilen zusammengesetzt sind.
Innerhalb des 'Vogelgesichtigen'-Typus gibt es zahlreiche Korothrophoi-Statuetten, hier halten die Figuren stets in ihrem linken Arm ein Kind. Ihre Hände fassen noch immer zu Brust oder Bauch. Beim 'Normalgesichtigen'-Typus sind Korotrophoi-Darstellungen weitestgehend unbekannt. Stattdessen kommen hier sitzende Figuren vor. Sie sitzen auf einem Stuhl, von dem nur die Hinterbeine dargestellt sind, die an das Gesäß führen. Nach vorne sind es ihre eigenen ausgesteckten Beine, die sie stützen. Bei diesen sitzenden Figuren kommen als seltene Variationen Korothrophoi vor, wie z.B. bei einer Statuette im Museum von Kopenhagen (s. Abb.4).
Die wenigsten Statuetten kommen aus einem gesicherten oder genau datierten Fundkomplex, dennoch lässt sich erkennen, dass ihre größte Verbreitung in Spätzyprisch II fällt. Der 'Vogelgesichtige'-Typ mag auch schon in Mittelzyprischer Zeit entstanden sein und in der Tradition der syrischen Figuren stehen. Die Entwicklung läuft allerdings über die älteren sog. Ψ-Figurinen und ist somit dem festländischen Typus recht entfernt. Die Figuren des 'Normalgesichtigen'-Typus haben keinen Verweis mehr auf eine Herkunft aus der Levante und mögen mykenisch beeinflußt sein.
Dass es sich um lokale Ware handelt, zeigt nicht allein die ungewöhnliche Gestaltung, sondern vor allem der Befund der Verbreitung. Nur sehr wenige Stücke wurden außerhalb Zypern im syrischen Raum gefunden, bei diesen kann man von Exportstücken ausgehen.
Bei dem Stück im Berliner Museum (Ant. TC 6684,33) handelt es sich um eine 13,5 cm hohe Statuette des 'Vogelgesichtigen'-Typus aus der Sammlung Cesnola.

Åström, L.: Studies on the Arts and Crafts of the Late Cypriote Bronze Age, Lund, 1967
Karageorghis, V.: The Coroplastic Art of Ancient Cyprus. Bd. II Late Cypriote II – Cypro- Geometric III, Nicosia, 1993

Drei männliche Köpfe (Dominik Kloss)


Die drei der Sammlung Ohnefalsch-Richter entstammenden männlichen Kalksteinköpfe mit den Nrn. 148., 149. und 150. (Abbildung 1) des 2002er Berliner Kataloges „Antike Kunst aus Zypern“ sind fragmentarische Reste leicht unterlebensgroßer vollplastischer Skulpturen und stellen den auf Zypern insbesondere während des Zypro-Griechischen Stiles als Votivgabe beliebten Typus des sogenannten blätterbekränzten Jünglings dar.
Während man im archaischen Zypro-Griechischen Stil eine künstlerische Einheit von zyprischen und griechischen Elementen vorfindet, vermindert sich wiederum der griechische Einfluss auf die Plastik im subarchaischen Zypro-Griechischen Stil etwa ab Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. wieder.
Die Köpfe 148. und 149. werden infolge anhand ihrer künstlerischen Merkmale dem späten 6. Jahrhundert v. Chr. zugeordnet und damit der (spät-)archaischen Unterstufe des Zypro-Griechischen Stiles; Kopf 150. ist ein knappes Jahrhundert jünger und gehört somit dem subarchischen Zypro-Griechischen Stil an.

Allen drei Köpfen vergleichbar ist ihre nur wenig divergierende Größe – ihre Höhe beträgt 10,6 cm, 12,2 cm und 12,0 cm – sowie der namensgebende Haarkranz aus stilisierten Blättern – am ehesten wohl Lorbeer nachempfunden – und schließlich ihre ähnlichen kurzgehaltenden Frisuren mit dicken Locken bzw. Strähnen.

Das Erkennen vermeintlicher Unterschiede zwischen den zeitlich nahe zueinander stehenden Köpfen 148. und 149. wird einerseits durch den beschädigten Kopf 148. erschwert[1], andererseits durch stark variierende Beschreibungen in der Literatur[2] und letztlich auch durch offenbar falsche Konkordanzen der Abbildungen.[3]
Abweichungen der beiden archaischen Köpfe zum zeitlich später anzusetzenden Kopf 150. sind offensichtlicher, der im Ganzen feiner gearbeitet zu sein scheint. Auffällig ist der im Gegensatz zum archaischen Lächeln der beiden älteren Köpfe kleinere Mund mit zwei Grübchen unterhalb der Unterlippe, desweiteren der nahtlose Übergang zwischen Stirn und Nasenrücken. Zudem finden sich auf Kopf 150. rote und schwarze Farbspuren.[4]
Die Fundorte der Köpfe sind unbekannt, jedoch stammen ähnliche Stücke aus Heiligtümern wie z.B. Golgoi, sodass eine derartige Herkunft auch hier anzunehmen sein dürfte.

Für die Köpfe 148. und 149. als Vergleichsstücke herangezogen werden der Kopf AP 72.5 (Abbildung 2) aus dem Kimbell Art Museum in Fort Worth (mit 16 cm Höhe etwas größer) und der von Nicole Weill 1965 behandelte Kouroskopf (Abbildung 3) von Salamis (mit 9,3 cm etwas kleiner).
Dem Kopf 150. stilistisch ähnlich sind der Kopf AM 3075 (Abbildung 4) aus dem Pariser Louvre und der Kopf C 120 (Abbildung 5) aus dem British Museum, London (Auch sie sind mit 7,4 cm, bzw. 11 cm Höhe etwas kleiner). Auch zeitlich stimmen die jeweils verglichenen Köpfe in etwa überein.

Literatur

Brehme, Sylvia: Antike Kunst aus Zypern [Ausstellungskatalog], Berlin 2002.
Brönner, Melitta: Untersuchungen zur zyprischen Kalksteinplastik von den Anfängen bis zu Beginn des 4. Jh. v. u. Z., (Diss.) Berlin 1990.
di Cesnola, Luigi Palma: A descriptive atlas of the Cesnola Collection of Cypriote antiquities in the Metropolitan Museum of Art, New York. in three volumes, Boston 1885.
Hermary, Antoine: Catalogue des antiquités de Chypre. Sculptures, Paris 1989.
Hoffmann, Edith: Zyprische Kalksteinskulpturen der Sammlung Ohnefalsch-Richter (Teil I), in: Jahrbuch des Museums für Völkerkunde zu Leipzig 20 (1966), S. 113-129.
Myres, John Linton: Excavations in Cyprus 1913, in: BSA 41 (1940-1945), S. 53-96.
Pryce, Frederick Norman: Catalogue of Sculpture in the Department of Greek and Roman Antiquities of the British Museum I (Part 2: Cypriote and Etruscan), London 1931.
Vermeule, Cornelius Clarkson: Greek and Roman sculpture in America, Berkely 1981.
Weill, Nicole: Une Tête de Kouros Archaïque à Salamine de Chypre, in: Salamine de Chypre IV. Anthologie Salaminienne, hg. v. l’Institut F. Courby , Paris 1973, S. 57-79.

[1] Ich vermag so keinen Unterschied zwischen dem im Berliner Katalog so benannten „unbärtigen“ Kopf 148. und einem „bärtigen“ Kopf 149. erkennen.
[2] Während der Berliner Katalog bei Kopf 148. von einem „länglich-trapezoiden“ Gesicht spricht, redet Hoffmann von einem „ovalen“ – was ich überzeugender finde.
[3] Der vom Berliner Katalog genannte Verweis auf Tafel XXXI,1 existiert bei Hoffmann nicht - hier muss Tafel XXXI, 8 gemeint sein.
[4] Der ähnliche, ebenso mit Farbresten versehene Kopf 499 der Cesnola Collection im New Yorker Metropolitan Museum of Art wird im dortigen 1885er Katalog als „Female Head“ bestimmt. Entweder diese oder die Angabe des Berliner Kataloges dürfte falsch sein.

Saugschale der Biochrome I Ware (Christel Busch)


Inv. Nr. : MVF. XI b 3694 (/4/635)
Fundort : Grab in Lamarka-Satiros
Datierung: Zyprisch-archaisch
H 13,4 cm. Dm 17,6 cm

Die Saugschale besteht aus einem hohen Standfuß, dessen breiter Fußteller nachträglich ergänzt wurde, und einem flachen, leicht ausladenden Schalenbecken. Der mit zwei Wulstringen geschmückte Fuß und der Korpus der Schale sind in Brauntönen gehalten. Akzente setzten das Schwarz der Ornamantik und die Tierdarstellungen. Fuß, Rand- und Henkelbereich sind mit einer Strichornamentik geschmückt. Der Schalenrand ist mit einem vorragenden, plastisch modellierten Stierkopf und zwei schmalen Bandhenkeln versehen. Unterschiedliche Strichgruppen und freie Felder dekorieren im Wechsel den Randbereich. Im Inneren des Beckens befindet sich die Malerei einer auf dem Bauch liegenden Kröte mit ausgestreckten Gliedern. Das in Aufsicht gemalte Tier zeigt einen mit Punktornamentik dekorierten Rücken, der durch zwei schwarze Striche umrandet wird. Während der Kopf durch zwei, mit schwarzen Linien eingefassten Augen nur angedeutet wird, ist das Maul der Kröte erhaben modelliert. Hier befindet sich ein Abfluss, der die Flüssigkeit über eine im Inneren der Schale befindliche Röhre in einen unsichtbaren Kanal am Rand der Schale transportiert. Bringt man die Schale in Trinkposition, ergießt sich die Flüssigkeit durch eine Öffnung im Maul des Stierkopfes. Maul und Augen sind hier ebenfalls mit einer schwarzen Umrahmung akzentuiert.
Das Exponat wurde als Grabbeigabe in einem Grab in Lamarka-Satinos gefunden. Es gehört zu den wenigen Exemplaren einer Saugschale, die bisher auf Zypern gefunden wurden. Die Funktion der Schale dürfte im kultischen Bereich liegen und bei rituellen Handlungen in Form von Libation- oder Trankopfern zum Einsatz gekommen sein. Ob Wein, Milch oder Wasser als Flüssigkeit verwendet wurde, bleibt spekulativ.

Oberteil einer männlichen Statuette (Christian Gay)


Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte
Ohnefalsch-Richter Sammlung
Fundort unbekannt
MVF. XI b 3802 (74/743)
H 32, 5 cm

Die Kalksteinfigur ist unterhalb der Hüfte abgebrochen, Kopf und Rumpf sind wieder zusammengefügt. Die Rückseite ist abgeflacht, mehrere kleine Beschädigungen beeinträchtigen das Bild der Statue nur unwesentlich. Rote Farbspuren haben sich an den Lippen, dem Gewand (Mantel) und am Kopf des Opfertiers erhalten.
Einschließlich der Kopfstellung ist die Figur frontal ausgerichtet. Der rechte Arm, im Ellenbogen leicht angewinkelt, hängt herab und ist fest mit dem Körper verbunden. Zwischen Oberkörper und nach vorn geführtem linkem Unterarm ist ein Ziegenbock eingeklemmt. Der halblangärmelige, wohl bis zu den Füßen reichende Chiton und ein schräger Mantel (Himation) sind auf der Abbildung kaum auszumachen. Das rundlich-ovale Gesicht der Gestalt weist scharf umrissene mandelförmige Augäpfel auf, einen leicht geschwungenen Mund („archaisches Lächeln“?!) und - angeblich – flüchtig gestaltete Ohren. Auf zwei Lockenreihen über Stirn und Schläfen ruht ein Haarkranz aus stilisierten, schräg gestellten Blättern. Der fehlende Bart deutet auf einen jüngeren Mann hin (nach Mylonas häufig bei Statuetten, großformatige und kolossale Statuen weisen dagegen oft einen Bart auf).
Typisch zyprisch ist die zurückhaltende Modellierung des Körpers, während der Kopf feiner ausgearbeitet ist und sich mit griechischen Werken vergleichen lässt, am ehesten solchen im Übergang von Spätarchaik zum Strengen Stil. Die harte Bildung von Mund, Augen und Haar sollen bereits auf den in Zypern so genannten subarchaischen Stil verweisen.
Datiert wird diese Figur auf das erste Drittel des 5. Jahrhunderts v. Chr. Dafür spricht auch, dass sich – nach Mylonas – der vegetabile Haarkranz (meist Lorbeer, Myrten, Oliven o.a.) erst allmählich nach der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. von Griechenland her kommend verbreitet und dann andere Formen (v.a. die konische Mütze) verdrängt. Allgemein üblich wird die Kombination von Haarkranz, langem Chiton und Himation.
Gut vergleichbare Figuren, abgesehen von der Kopfbedeckung, finden sich unter den Angaben im Berliner Katalog (S.133), v.a. ein kopfloser Torso in Leipzig und eine Statuette aus Kazaphani. Allgemein sind diese Figuren brettartig ausgearbeitet (so wohl auch diese), dass Mylonas und andere Forscher den (vielfach auch stilistischen) Zusammenhang mit der Koroplastik und speziell der Einführung der Matrizentechnik herstellen. Das gilt auch für die subarchaische Zeit, was beweist, dass trotz anzunehmender Kenntnis der künstlerischen Entwicklung in Griechenland den Votivstatuetten ein religiös-konservativer Geist innewohnt, der keinen Wert auf naturgetreue Wiedergabe oder körperliche Vollkommenheit legt.
Neben anderen Opfertieren (z.B. Widder, Schafe, Ochsen und Kühe) ist der Ziegenbock ein beliebtes Motiv, wohl ein Symbol der Fruchtbarkeit, der männlichen Zeugungskraft.
Offenbar stellt die Statuette eine Stifterfigur dar, die als Votivgabe in einem Heiligtum stand und dort eine Stellvertreterfunktion für den Stifter darstellte.

Einen detaillierten Einblick zu Stil und Chronologie zyprischer Kalksteinplastik bietet die Dissertation von Dimitris G. Mylonas (Diss. MATEO Monographien Bd. 7, Mannheim), s.
www.uni-mannheim.de/mateo/verlag/diss/mylonas/mylonas.pdf


Die Abbildung stammt aus:

Brehme, Sylvia: Antike Kunst aus Zypern [Ausstellungskatalog], Berlin 2002

Katalognr.: 140

Hier finden sich auch die Literaturhinweise zu vergleichbaren Kalksteinplastiken.

Tamburinspielerin (Kim Krüger)


Aus der Ohnefalsch-Richter Sammlung
MVF. XI b 4483 (74/1431)
Größe: ca. 19,6 cm.

Die 'Tamburinspielerinnen' stammen aus einem Bothros aus dem Kamelarga Heiligtum in Kition.[1] Sie wurden dann unter verschiedenen Museen aufgeteilt, z.B. dem Louvre, dem Zyprischen Museum in Nikosia, dem British Museum in London oder dem Museum Royaux d'Art et d'Histoire in Brüssel. Die Figuren sind meist zwischen 18 und 20 cm hoch. (V. Karageorgis erwähnt allerdings noch eine Figur, die ein gutes Beispiel für diesen Typ sein soll und eine Größe von 24,5 cm hat.)
Die Figuren haben einen geschlechtslosen, röhrenartigen Körper, der quasi ein langes, röhrenförmiges Kleid darstellt. Ihre Gesichter sind in Formen gefertigt worden, aber nur von Vorne ausgearbeitet, der Kopf ist hinten flach. Sie wurden dann mit Zapfen auf den Schultern der Körper befestigt, welche scheibengedreht sind. Die Arme sind zur Brust gebogen, in der einen Hand halten sie ein Tamburin, die andere Hand spielt darauf.
Das Gesicht ist rund, Augen und Mund sind teilweise schwach dargestellt, manchmal gibt es leichte Höhlen für die Augen, diese waren weiß bemalt und schwarz umrandet. Das Gesicht selbst war rot bemalt. Schwarze Streifen findet man auch noch auf den Armen und Taille und am Rand des Tamburins.
Viele haben eine spitze Mütze bzw. fast schon Kapuze auf. Die Darstellungen der Ohren sind anscheinend das einzige, woran man erkennen kann, dass es sich um weibliche Figuren handelt (manche tragen wohl so was wie Ohrringe).
Einige andere Figuren aus dem Bothros bei Kamelarga wurden wohl in einer zweischaligen Form hergestellt, von der noch eine erhalten ist. (Figur Nr. 52 und die rechts daneben)
M. Yon und A. Caubet schreiben, dass die Einführung des Gebrauchs der Zweischaligen Form ins 6. Jahrhundert v. Chr. zurück geht und sich im wesentlichen auf 2 Typen beschränkt:
- Figuren im langen, röhrenförmigen Kleid und spitzer Mütze, ein Tamburin haltend
- und die Figuren, die unter dem Namen 'dea tyria gravida' bekannt sind.
Insgesamt unterscheiden sie zwischen 3 verschieden Gruppen von Typen aus dem Fund:
Figurines à corps tourné et visage moulé, zu welchem die Oben beschrieben gehören. Sie kommen auch am häufigsten vor.
Figurines à moule bivalve, eben die aus der Zweischaligen Form
Figurines Plaquette
V. Karageorgis schreibt, dass bei manchen, die Haare die Form einer Ägyptische Perücke haben und fasst diese in einer Gruppe zusammen.
Insgesamt könnte dieser Typ der Figuren möglicherweise auf einen früheren Typ aus Samos zurückzuführen sein.[2]

[1] V.Karageorgis, The coroplastic art of ancient Cyprus, Nicosia : Leventis Foundation, 1999

[2] Diethelm Conrad, Zur Rekonstruktion phönikischer Figuren vom Tel Akko, in „Ihr Völker alle, klatsch in die Hände!“, Exegese in unserer Zeit.

Ein Kesselwagen aus Kition (Peter Kröger)


Der in einem sehr guten Erhaltungszustand befindliche Kesselwagen aus Berlin (Abb. 1), der nach Aussage des ersten Besitzers nahe Larnaka, dem antiken Kition, gefunden wurde, ist bei einem Gewicht von 9,25 kg 39 cm hoch; der quadratische Aufbau besitzt eine Breite von 23 cm. Der Raddurchmesser beträgt 12 cm.
Jeweils zwei sechsspeichige Räder sind durch Achsen miteinander verbunden. Vier Pfosten, die innenseitig an den Verbindungsstellen der Räder mit den Achsen aufragen, tragen den quadratischen Aufbau. Dem Quadrat aufgesetzt ist ein runder Aufsatz, der vermutlich einen Kessel aufnehmen sollte. Von den eckigen Pfosten gehen zu je zwei Seiten den quadratischen Aufbau abstützende, runde Streben ab, deren Enden sich aufrollen.
Der ringförmige Aufsatz ist mit einem durchbrochenen Spiralband und Strickornamenten verziert. Letztere schmücken auch die Eckpfeiler und rahmen die auf den Außenseiten des quadratischen Aufbaus befindlichen Bildfelder ein, welche alle das identisch ausgearbeitete Motiv zeigen: Zwei sich gegenüberstehende und durch eine Säule mit ionischem Kapitell getrennte Sphingen. Den Eckpfosten sind Vogeldarstellungen aufgesetzt.
Ein weiterer Kesselwagen aus Zypern, der in einer spätmykenischen Nekropole von Enkomi gefunden wurde, befindet sich im British Museum (Abb. 2). Durch starke Oxidation sind große Teile des Unterbaus wie die Räder nicht erhalten, lassen sich aber durch das Berliner Exemplar sicher ergänzen. Auch hier finden sich im quadratischen Aufbau wieder vier rechteckige Bildfelder. Die Bildfelder zeigen nach Furtwängler je „zwei plastisch rund gearbeitete weibliche Köpfe mit starken Haarlocken aus Öffnungen hervorschauen, die offenbar die Fenster eines Holzbaues andeuten sollen.“
Sowohl Gliederung als auch Ausarbeitung stimmen mit einer biblischen Beschreibung von fahrbaren Bronzegerätschaften des salomonischen Tempels im Ersten Buch der Könige, 1 Könige 7, 27-39, überein, welche laut Bibelstelle der Bronzegießer Hiram gefertigt habe, der aus Tyrus, im heutigen südlichen Libanon gelegen, stammte – einer Landschaft, die im regen kulturellen und wirtschaftlichen Kontakt mit Zypern stand.
Der alttestamentarische Text beschreibt ein vermutlich über zwei Meter breites und anderthalb Meter hohes viereckiges Gestell auf Rädern mit einem runden Aufsatz. Davon getrennt gearbeitet sind die dazugehörigen Bronzekessel. Die Gliederung der in der Bibel beschriebenen fahrbaren Gestelle des salomonischen Tempels stimmt folglich mit den zyprischen Exemplaren überein. Aber auch in der Ausarbeitung finden sich starke Parallelen, genauer Bildfelder mit den immer gleichen Darstellungen zwischen den Querverstrebungen, eingehämmerte Spiralen und an die Füße unterhalb des Kessels angegossene “Schulterstücke”, welche den Vogeldarstellungen des Berliner Kesselwagens entsprechen dürften. Es darf vermutet werden, daß es sich bei den Kesselwagen im salomonischen Tempel durchaus um Exemplare desselben Typs der zyprischen Funde handelt, die an die Bedürfnisse der jüdischen Kultgemeinde angepaßt worden sind. So wählte man offensichtlich andere Motive für die Bildfelder und nicht bildhafte sog. Schulterstücke als Abschlüsse der Eckpfeiler.
Zuletzt sei der doch signifikante Größenunterschied zwischen der alttestamentarischen Beschreibung und den zyprischen Exemplaren erwähnt, der die die Vermutung zuläßt, daß diese entweder für den Grabkontext bewußt en miniature gearbeitet worden sind oder für kleinere rituelle Handlungen im Haus benutzt wurden und als solche als Grabbeigabe gegeben wurden.

Literatur:
A. Furtwängler: Über ein auf Cypern gefundenes Bronzegerät, Sitzungsbericht der philos.-philol. und der histor. Classe der k. bayer. Akad. d. Wiss. 1899. Bd. II. Heft III, 411 ff.
W. Zwickel: Die Kesselwagen im salomonischen Tempel, in: Ugarit-Forschungen. Internationales Jahrbuch für die Altertumskunde Syrien-Palästinas, Bd. 18, 1986
M. Guggisberg: Eine Reise von Knossos nach Strettweg. Tiergefäße und Kesselwagen als Ausdruck religiöser Kontakte zwischen der Ägäis und Mitteleuropa im frühen 1. Jahrtausend v. Chr., in: AA 1996
(Hrsg.) O. Kaiser, L. Perlitt: Das Alte Testament Deutsch, Neues Göttinger Bibelwerk, Die Bücher der Könige Teilbd. 11,1, 1985 (Göttingen, Zürich)
Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung, 1994 (Freiburg, Basel, Wien)

Frauenfigur, ihre Brüste haltend (Annika Wehrmann)

MVF. XI b 3880 (74/822) Ohnefalsch-Richter Sammlung. Aus Kition. H 17 cm

Stehende nackte Frauenfigur, die ihre Hände um ihre Brüste gelegt hat. Die Vorderseite wurde aus einer Form gefertigt, die Rückseite wurde flach gelassen. Die Proportionen sind schlank und gestreckt. Ihre langen Haare, welches durch Ritzungen in einzelne Locken definiert ist, fällt über ihre Schultern auf ihre Brüste. Die Figur trägt ein Band bzw. eine Kopfbedeckung. Das Gesicht ist herzförmig und die mandelförmigen Augen sind mit einer feinen Wulst umrahmt. Die Scham ist als eingeritztes Dreieck hervorgehoben. Reste von Bemalung sind noch erkennbar. Obwohl dieses Exemplar aus Kition stammt, deuten ihre schlanken Proportionen auf eine Verbindung zur Arsos-Werkstatt hin. Wahrscheinlich ist sie ein wenig früher entstanden als die vielen anderen Figuren dieser Serie, vermutlich ist sie in die Zeit Zypro-archaisch I (750-600 v. Chr.) zu datieren.

Zu Beginn der archaischen Epoche treten, unter dem Einfluss der orientalischen Ikonografie, Abbildungen von stehenden Frauenfiguren, die sich die Brüste halten, auf Zypern auf. Die Vielzahl der Figuren machen Statuetten aus Terrakotta aus, sie treten aber in begrenzter Anzahl auch in Form von Kalksteinskulpturen auf. Dieser Figurtypus hat seinen Ursprung nicht auf Zypern selbst. Die Vorbilder stammen aus der syrisch-mesopotamischen Region, wo sie einer langen Tradition entspringen. Die nackte Frau mit den überproportional opulent entwickelten Formen, mit den Händen an den Brüsten und markierter Scham, wurde seit den Anfängen des 8. Jt. v. Chr. besonders im Osten ausgebildet, im speziellen wären hier Mesopotamien, Syrien und Palästina zu nennen. Auch wenn Beispiele bis zur Mitte des 5. Jt. v. Chr. selten sind und in Region und Zeit verstreut, hat sicherlich eine Kontinuität in der Nutzung der Figuren in Heiligtümern, Gräbern und Wohnstätten existiert. Gegen Ende des 3. Jt. v. Chr. und während der ersten Hälfte des 2. Jt. v.Chr. stieg die Anzahl der nackten, weiblichen Figuren beachtlich in Mesopotamien und Syrien an, was aufgrund der innovativen Entwicklung des Formgusses zu erklären ist. Die stark sexuell ausgeprägten Charakteristika wurden beibehalten. Es scheint wahrscheinlich, dass dieser Typ der nackten Figur in Verbindung mit dem Kult der Ischtar/Astarte stand. In Assur hat man in einem Tempel der Ischtar zahlreiche Terrakotten und elfenbeinerne Exemplare dieses Typus gefunden.
In Syrien treten die weiblichen Figuren in drei unterschiedlichen Positionen auf, welche im Folgenden bis in das 5. Jh. v. Chr. beibehalten werden sollten: Typ 1. Die Arme sind vor der Brust gekreuzt, die Hände unterstützen den Busen, Typ 2. Die Arme und Hände fallen längs des Körpers und Typ 3. Eine Hand liegt auf der Brust und die Andere auf dem Schambein. Ein starker ägyptischer Einfluss , der sich während der zweiten Hälfte des 2. Jt. v. Chr. in den Regionen des östlichen Mittelmeeres ausbreitet, lässt sich bei den nackten Figuren an der Hathor-Frisur ausmachen. Diese ägyptische Perücke ist charakteristisch für einige bestimmte Typen dieser Figuren. Im 1. Jt. v. Chr. findet sich der Typ der nackten Frau verstärkt mit ausgearbeiteter Frisur, mit aufwendigen Ketten um den Hals und mit Armbändern an den Handgelenken und auch oft schwanger dargestellt. Diese Typen, die man zwischen das Ende des 8. und des 6. Jh. v. Chr. datiert, können mit einiger Sicherheit als direkte Vorläufer der zypriotischen Exemplare angesehen werden. Die weiblichen Statuetten sind durch die Geste charakterisiert, welche die Brüste zwischen dem Daumen und den anderen Fingern umschließt. Gelegentlich scheinen die Finger die Brüste auch zusammenzupressen. Dieser Gestus könnte symbolisch für die lebensspendende und ernährende Funktion der Mutter oder im Zusammenhang mit dem Vorzeigen der Geschlechtorgane für Fruchtbarkeit stehen. Neben dem Vorschlag die Figuren als Gleichsetzung der Astarte mit der griechischen Aphrodite zu deuten, könnten die Abbildungen eventuell auch Priesterinnen der Göttin oder vielleicht Tempelprostituierte meinen.

Fußschale der Bichrome III Ware (Silke Hüttenrauch)


Inv.: 3282 (Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin)
H: 9 cm
Dm: 14 cm

Form:
Die Fußschale (Abb.1) stellt einen besonderen Typus der Kylix dar. Doch im Unterschied zur traditionellen Form der Trinkschale, besitzt dieses Exemplar eine hohe vertikale Wandung mit einem abgerundeten Rand. Von dieser verjüngt sich die Schale nach unten zum gespreizten Fuß in konischer Form. Die Schlaufenhenkel, sich gegenüberliegend, sind an die Wandung angebracht.
Dieser Typus wurde vom Anfang der zyprisch-geometrischen bis zur zyprisch-archaischen Epoche ununterbrochen produziert und bietet durch die hohe vertikale Wandung eine ideale Oberfläche für die folgende Dekorationsgattung.

Motiv:
Auf den Zonen zwischen den Henkeln ist jeweils ein figürliches Motiv, in diesem Fall ein Vogel in nach rechts gerichteter Bewegung dargestellt. Er ist sehr stilisiert, bildet sich aus Strichen und konzentrischen Bogenlinien, die den Vogel konturieren. Der Körper des Vogels ist in purpurroter Farbe ausgemalt. Auf dem Rücken sind zwei Flügel in Blattform angebracht, die jeweils in der Länge durch einen Strich getrennt werden. Der Schwanz des Tieres wird durch ein Dreieck dargestellt, welches zusätzlich mit drei vertikalen Strichen gefüllt ist. Ein in einem freigelassenen Kreis gesetzter Punkt stellt das Auge dar, während zwei, sich vom Kopf verlängernde Striche den geöffneten Schnabel verbildlichen. Die Beine des Vogels entspringen anfangs aus einer Stelle, verlaufen dann jedoch versetzt in Halbmondform unter den Körper. Die Krallen werden jeweils durch drei Striche dargestellt und berühren den unteren horizontalen Malstreifen, der gleichzeitig auch den Boden wiedergibt.
Das Bildfeld wird von jeweils vier vertikalen parallelen Linienflankiert. Rund um den Rand und am Knick des Körpers sind ebenfalls Streifen aufgemalt, genauso wie im Inneren der Schale. Auf der Fläche des Schalenfußes scheinen, den Hals umlaufende Linien eingeritzt bzw. graviert zu sein.

Das Motiv des Vogels ist auf Zypern schon in der Eisenzeit sehr verbreitet gewesen. Die Klassifizierung wird nach der Art der Darstellung festgelegt, ob der Vogel in einem freien Feld oder innerhalb eines linearen Rahmens gezeichnet wurde.
Die Fußschale wurde, wie der Kylix im Allgemeinen, als Trinkgefäß genutzt. Die Einteilung zur Bichrome III Ware geht auf die Zweifarbigkeit von schwarzen Linien und purpurroter Füllfarbe zurück.

Im Vergleich zu ähnlichen Objekten, ist diese Schale als älter einzuordnen, da bei anderen Motiven eine gewisse Entwicklung zu erkennen ist.
Abbildung 2 zeigt eine Komplexität in der Dekorierung, wie zum Beispiel von Linien flankierten Blüten am Rand, dazwischen ein Swastikasymbol oder aufeinander gereihte Rautenmuster auf der Hauptmotivzone. Die geschwungene Form des Schnabels und die, an verschieden angesetzten Stellen und durch verdickte Linien dargestellten Stelzen, lassen den Vogel realistischer wirken.

Literatur-, Abbildungsverzeichnis:

(Abbildung 1)Brehms, S.(Hrsg.): Antikensammlung, Museum für Vor-und Frühgeschichte, Münzkabinett, Antike Kunst aus Zypern, Berlin 2002. S.81
(Abbildung 2)Karageorghis, V./des Gagniers, J.:La Cèramique Chypriote de Style Figuré, BC 2, Bilder und Texte, Rom 1974. S.247

Ein Frauenkopf mittlerer Größe (Kasia Hanke)


Der Frauenkopf Nr. 120 befindet sich im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin (Inv. No. 74/684). Seine Herkunft ist unbekannt. Er ist aus Terrakotta gefertigt und hat eine Höhe von 15, 7 cm. Das Gesicht ist schmal und sehr langgezogen und hat eine hervortretende breite Nase. Die Augen sind wahrscheinlich geschlossen, ihre Form ist schon sehr abgetragen, sodass sie kaum noch zu erkennen sind. Der schmale Mund ist geschlossen und befindet sich dicht unter der Nase. Um die Stirn herum läuft ein breites Band und zwei Locken fallen zu jeweils einer Seite des Halses. Hinter dem Stirnband befindet sich das sogenannte Brennloch, eine offene Stelle am Oberkopf. An den Ohren, die vermutlich mit Ohrkappen bedeckt waren, hängen Ringe. Um den Hals verlaufen zwei Bänder, die mit Scheiben besetzt sind. Der Kopf weist am Stirnband und an der Stirn Abtragungen auf. Außerdem hat er an seiner rechten Wange ein relativ tiefes, jedoch nicht sonderlich großes Loch. Der Kopf wurde höchstwahrscheinlich getrennt vom Körper angefertigt und erst hinterher dem Körper aufgesetzt, was an der Bruchstelle am Hals klar sichtbar ist.
Der Frauenkopf Nr. 119 (Abbildung 1; Inv. No. 74/678), auch im Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte aufbewahrt, ist ebenfalls unbekannter Herkunft. Der Kopf ist mit der Größe von 15 cm etwas kleiner als Nr. 120. Das Gesicht ist kleiner und runder als das zuerst genannte, mit runden Wangen und vollen Lippen. Die Nase ist weniger hervorgetreten als bei dem ersten Frauenkopf. Die Augen sind ebenfalls geschlossen und auch ihre Form ist ziemlich abgetragen, jedoch sind die Brauenbogen, die halbmondförmig über den Augen verlaufen und die Augenhöhlen sehr deutlich erkennbar. Auf dem Kopf trägt die Figur ein glattes, flaches Diadem und zu den Seiten fallen zwei Locken herab. Ringe befinden sich jeweils an dem äußeren Teil der Ohrmuschel. Am linken Ohrläppchen trägt die Figur einen Spiralring, der Schmuck am rechten Ohr hingegen ist nur noch teilweise erhalten. Am Hals trägt sie eng anliegenden Schmuck aus zwei Reihen scheibenförmiger und elliptischer, separat aufgesetzter Tonperlen, einer zentralen Scheibenperle und zwei Tropfenanhängern. Obwohl der Frauenkopf Nr. 119 im Vergleich zu Nr. 120 prächtigeren Schmuck trägt, kann davon ausgegangen werden, dass beide eine Frau höheren Ranges oder vielleicht sogar eine göttliche Gestalt darstellen sollen. Trotz unbekannter Herkunft nahm Max Ohnefalsch-Richter an, dass die Köpfe bzw. Figuren in Heiligtümern gefunden worden sind.[1] Demzufolge liegt die Vermutung sehr nahe, dass es sich hierbei um Figuren handelt, die dem Heiligtum geweiht worden sind und es sich deshalb tatsächlich um Göttinnen handeln könnte.
Beide Frauenköpfe gehören zu den üblichen Typen der koroplastischen Kunst des 6. Jh. v.Chr. auf Zypern. Sie zeigen eine klare Einfachheit in ihrer Fertigung und ihrem Stil.[2] Die Gesichter sind übertrieben und recht wenig der Natur entsprechend dargestellt. Besonders die Länge des ersten Frauenkopfs wirkt nicht natürlich. Beide Köpfe wurden in der Form gefertigt, sodass sie innen hohl sind. Hierbei wurde zunächst der Körper auf einer Töpferscheibe zylinderartig geformt. Dann wurden Kopf, Gliedmaße und Kleidungsstücke auf dem Körper aufgebaut. Die Teile konnten entweder mit der Hand modelliert oder in einer speziellen Hohlform gepresst worden sein. Durch die Verwendung dieser Hohlform konnte die Produktivität gesteigert und somit eine große Anzahl identischer Figuren hergestellt werden. Außerdem kam dem Ton eine große Bedeutung zu, da er billiger als Marmor oder Basalt und auf Grund der raren natürlichen Vorkommnisse der beiden Steinsorten schneller zu erhalten war.[3] Daher konnten sogar Figuren in Lebensgröße, zu denen die oben beschriebenen Frauenköpfe gehören, leichter hergestellt werden.

[1] Max Ohnefalsch-Richter, Kypros. Die Bibel und Homer. Beiträge zur Cultur-, Kunst- und Religionsgeschichte des Orients im Alterthume. Verlag von A. Asher & Co., Berlin 1893, S. 408 und
[2] Karageorghis, Vassos, The Coroplastic Art of Ancient Cyprus III. The Cypro-Archaic Period. Large and Medium Size Sculpture. Published by the A.G. Leventis Foundation, Nicosia 1993, S. 71.
[3] Hoffmann, Edith, Zyprische Tongefäße und Terrakotten der Sammlung M. Ohnefalsch-Richter, aus: Jahrbuch des Museums für Völkerkunde zu Leipzig, Band XX, Akademie-Verlag, Berlin 1964, S. 401.

Kourotrophos – Symbol der Großen Göttin (Stefanie Schenker)


Bei einer als Kourotrophos bezeichneten Statuette handelt es sich um die Darstellung einer Frau, die stehend oder auf einem Thronsessel sitzend ein Kind im Arm hält. Bei Exemplaren aus Zypern hat dieses in den meisten Fällen eine phrygische Mütze auf dem Kopf, in manchen Fällen bietet die Frau ihm ihre Brust dar.
Statuetten dieser Art wurden auf Zypern in großer Anzahl in Heiligtümern verschiedener Götter gefunden, unter anderem im Apollonheiligtum in Idalion, im Heiligtum der Astarte in Kition und im Heiligtum des Apollon-Hylates in Kourion.
Die frühesten gefundenen Kourotrophoi datieren in die frühe Bronzezeit, die jüngsten in die Zeit des Hellenismus. Für die archaische und klassische Periode wird aufgrund der Fundlage eine Blütezeit angenommen, während die Funde aus hellenistischer Zeit rar sind.
Auch im übrigen Mittelmeerraum finden sich immer wieder diese aus Stein oder Terrakotta gefertigten Votivgaben.
Die allgemeine Bedeutung solcher Darstellungen, die eindeutig im Kontext mit der in allen antiken (und auch einigen modernen) Kulturen verehrten „Großen Göttin“ als Sinnbild der nährenden Mutter Erde zu sehen ist, erklärt sich durch die gesellschaftliche Relevanz von Familie und Kindern. Im antiken Griechenland beispielsweise galt die Familie als Grundlage für das Funktionieren des Staates und des Gemeinwesens; die Bindung des Individuums an Staat, Gemeinschaft und nicht zuletzt an die Familie stellte einen wesentlichen Aspekt des Kultes dar. Kinderlosigkeit und Unverheiratetsein hingegen wurden als Egoismus angesehen. Kourotrophoi gelten als Manifestation dieser Prinzipien. Dabei ist das Motiv nicht einer einzigen Göttin zuzuschreiben, vielmehr handelt es sich um allgemeine Darstellungen der nährenden Frau/ Mutter. Es gibt Funde von Kourotrophoi, die Athene, Demeter oder Ge (um nur einige zu nennen) darstellen. Jede Göttin hat in dem Zusammenhang ihre eigene Rolle- Demeter als „Mutter“, Ge als „Amme“ und Athene als „Lehrerin“. Innerhalb des jeweiligen Kultes war die Verehrung der Großen Göttin denn auch mit speziellen Kulten, Ritualen und Weihgeschenken ausgestattet.
Wie bereits erwähnt, finden sich auch in diversen anderen antiken Kulturen Hinweise auf Aspek-te von Kulten, die der nährenden Mutter geweiht sind. Bei allen Unterschieden gibt es immer wieder Elemente, die sich ähneln. So handelt es sich bei den einschlägigen Darstellungen immer um verschiedene Göttinnen oder weibliche Dämonen. Ein besonders prägnantes Beispiel dafür findet sich in Darstellungen der Göttin Kybele, die als Fruchtbarkeitsgöttin und Stadt-beschützerin Kleinasiens und der Levante verehrt wurde und als Verkörperung der Großen Göttin gilt (ist mit den griechischen Göttinnen Rhea und Gaia vergleichbar). Statuetten, die in das 6. Jh. v. Chr. datiert werden, zeigen sie auf einem Thron sitzend mit einem kleinen Löwen auf dem Schoß.
Im Hinblick speziell auf den zyprischen Kourotrophos-Kult muss davon ausgegangen werden, dass er lange vor dem ersten Kontakt mit anderen Kulturen etabliert war und es sich um eine eigenständige Entwicklung handelt. Zwar wurde noch in dem 1931 erschienenen Katalog des British Museum der Ursprung der Kourotrophoi in Ägypten und dem Orient gesehen- neuere Forschungen und vermehrte Funde von Statuetten dieser Art legen aber nahe, dass auf Zypern („Insel der Aphrodite“ !) der Kult der „Großen Göttin“ selbst in späterer Zeit mehr Gewicht besaß, als der des von den Achäern importierten griechischen Vatergottes.

Literatur:
• T.H. Price, Kourotrophos. Cults and representations of the Greek Nursing Deities (Leiden 1978)
• F.N. Pryce (Hrsg.), Catalogue of sculpture in the Department of Greek and Roman Antiquities of the British Museum II 2 (London 1931)
• W.H. Roscher (Hrsg.), Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie 2 (Leipzig 1897)
• F. Vandenabeele, Kourotrophoi in the Cypriote terracotta production, in: Report of the Department of Antiquities of Cyprus 1988 2 (Nicosia 1988)

Amphora der White Paited I Ware (Wenthe Krüger)

MVF. XI b 3344 (74/280)
Ohnefalsch- Richter Sammlung

Höhe 40 cm
gr. Dm. 36 cm
Rdm. 27 cm
Fdm. 13 cm

Es handelt sich bei diesem Stück um eine bauchige Amphora mit einem kurzen, leicht geschweiften Fuß. Die Amphora hat einen weiten zylindrischen und eingezogenen Hals. Von der Schulter ausgehend führen zwei Henkel bis zu dem Mündungsrand des Gefäßes, der abgeflacht ist. Auf dem waagerecht ausladenden Rand des Gefäßes befinden sich jeweils neben den beiden Seiten der Henkelansätze zwei plastische ausgezogene „Knubben“ oder „Zipfel“. Auf jedem Henkel befinden sich jeweils zwei relefierte, schwarz bemalte Schlangen. Auf beiden Henkeln fehlt heute ein Schlangenkopf.
Das Gefäß wird im unteren Bereich durch zwei, in der Mitte mit drei und am Halsrand mit einem schwarzen horizontal laufenden Band verziert. Auf der Schulter des Gefäßes zwischen den Streifen befindet sich eine Zone mit sanduhrförmigen Mustern. Die Zone des Halses ist mit sechs senkrechten Bändern aus übereinander stehenden Rauten mit je drei dünnen Linien eingefasst. Den oberen Abschluss der Verzierung unter dem Rand bildet wieder ein umlaufener schwarzer Streifen. Auf dem Rand befindet sich eine Verzierung von Strichgruppen.
Der Fuß des Gefäßes und ein 4 cm breiter Streifen im Inneren unter dem Rand sind ebenfalls schwarz bemalt.

Die Beigaben aus dem Grab bei Kition vom Beginn der Eisenzeit gehören zu den wenigen geschlossenen Fundkomplexen der Sammlung Ohnefalsch- Richter. Das Grab gehörte zu einem Bestattungsareal der Zypro- Geometrisch I – Periode, die zeitlich 1050 – 950 v. Chr. datiert wird.
Die Keramik des Grabes aus Kition gehört zu der scheibengedrehten White-Painted I–Ware, die gekennzeichnet ist durch eine rötlichgelbe Farbe, einen gut geschlämmten Ton, eine polierte glatte Oberfläche und Ornamente in einer matten schwarzen Farbe auf einem rötlich- gelben oder etwas grünlichem Überzug. Die Verzierung ist rein geometrisch. Umlaufende Linien und Bänder, Strichgruppen, parallele Streifen, Zickzack- und Wellenlinien, Bogenmuster, schraffierte, punkt- oder gitterartig ausgefüllte Dreiecke und Rauten und Malteserkreuze kennzeichnen die geometrische Verzierung der Gefäße der White – Painted I – Ware.
Die Verzierungselemente können – fortlaufend oder isoliert – auf dem Gefäßkörper horizontale oder vertikale, von Linien bzw. Bändern eingefasste Zonen bilden. Oft bleiben die durch Linien entstandenen Abschnitte auch ohne eine Verzierung.
Die Verzierung der Amphora mit den Schlangenhenkeln beschränkt sich mit Ausnahme dreier umlaufender Bänder in der Mitte, zwei Bändern im unteren Teil und dem schwarzen Fuß eher auf den Hals und die Schulter.
Die Amphora repräsentiert den „Felder- Stil“, dessen Zonen durch vertikale Bänder und Linien in einzelne Abschnitte unterteilt werden, die entweder leer bleiben oder mit einem einzelnen Ornament gefüllt sind.

Montag, 21. Januar 2008

Exkursion nach Berlin am 25.01.2008

  • Treffen ist am Freitag, 25.01.08 um 11.20 Uhr vor dem Museum für Vor- und Frühgeschichte in Charlottenburg/Berlin.
  • Anfahrt entweder mit Ruth Günther bzw. der DBahn oder Selbstanreise.
  • READER nicht vergessen!!!!!

Montag, 24. Dezember 2007

Program für die 6. Sitzung am 11.01.08

Referate (jeweils 20 min. !!!!!):
  • Die Königsnekropole von Nea-Paphos - Wenthe
  • Temple Boys - Kasia
  • Das Apollon-Hylates-Heiligtum (und die Stadt von Kourion) - Kim
Besprechung: Exkursion nach Berlin und Reader bzw. Essays

- Freitag 25.01.08
  • 11.00 Uhr: Museum für Vorgeschichte Charlottenburg - Zyprische Sammlung
  • nachmittags: Antikensammlung (Ausstellung "Zur Hölle")
- Samstag 26.01.08 (optional)
  • vormittags: Pergamonmuseum
  • nachmittags: Antikensammlung

Freitag, 14. Dezember 2007

Program für die 5. Sitzung am 21.12.07

Gastvortrag: Anna Ziel, M.A. "Kupfer - Zypern" (30 min.)

Referate:

  • Der Sarkophag von Amathous (20 min.) - Christel
  • Die Akropolis, Stadtanlage und der Hafen von Amathous (20 min.) - Dominik
  • Das Aphrodite-Heiligtum in Palai-Paphos (20 min.) - Silke

Weihnachtsfeier incl. :-)

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Historie Zyperns in der Archaische Periode (Gruppe II)

Die Archaische Epoche auf Zypern (750-480 v.Chr.)

(verantwortlich für diesen Post ist von der Gruppe II: Lilian)

Mitte des 8. Jh. v. Chr. breitet sich das assyrische Reich aus und beeinflußt so Zypern. 709 v. Chr. unterwerfen sich die zyprischen Könige Sargon dem II.

Von ca. 650 bis ca. 560 v. Chr. sind die zyprischen Könige unabhängig. In dieser Zeit erreicht Zypern seine Blüte in Kunst und Handel. Die zypriotische Kunst aus spätgeometrischer Zeit wird eigenständig weiterentwickelt und vielfach exportiert. In der Kunst finden sich verschiedene Einflüsse, im Süd-osten, wo Phönizier siedelten, vorrangig welche aus dem Raum Südsyriens, im Norden und Westen nordsyrische und anatolische. In der Zeit gewinnt das Königtum enorm an Bedeutung, es werden pompöse Palastanlagen (Bsp. Vouni) und Gräber errichtet.

Um 560 v. Chr. erobert Amasis Zypern. Die Ägyptische Vorherrschaft umfast allerdings nur 25 Jahre. Das politische System wird scheinbar nicht verändert, doch der ägyptische Einfluß auf die Kultur ist vehement. Der Handel nimmt weiterhin zu und neben dem Ägyptischen gewinnt das Ionische an Einfluß.

546/5 v. Chr. unterwerfen sich die Zyprioten Kyros. Den Persern schicken sie 545 v. Chr Schiffe gegen Karien, 539 v. Chr. gegen Babylonien und 525 v. Chr. gegen Ägypten. Auch unter den Persern sind die zyprischen Städte nahezu authak, inklusive Münzrecht. Durch die Einrichtung der Satrapien Dareios`I (521-485) und die damit einhergehenden festen Zahlungsforderungen kommt es 499 v. Chr. zur zyprischen Revolte. Mit den Ioniern verbündet kämpfen die Zyprioten gegen die Perser, verlieren allerdings. Die Städte bleiben bestehen, nur neue Könige werden von den Phöniziern eingesetzt.

494 v. Chr kämpft Zypern für die Perser mit gegen die Ionier und 480 v. Chr. auch bei der Schlacht von Salamis.

Mittwoch, 28. November 2007

Program für 4. Sitzung am 7.12.2007

Nachtrag: Historischer Hintergrund Zypern
  • Geometrische Periode (Ana-Maria) - kurz
Referate:
  • Die Nekropolen von Tamassos und Salamis (Bjoern)
PAUSE
  • Der Apollon-Tempel von Idalion und seine Ausstattung (Peter)
  • Das Hofheiligtum von Hagia Irini und die Terrakotten (Lilian)
PAUSE
  • Der Sarkophage von Amathous (Christel)

Topographie Zyperns in der Späten Bronzezeit (Gruppe I)

Die späte Bronzezeit auf Zypern (1600- 1050 v. Chr.)

(verantwortlich für diesen Post ist die Gruppe I: Christian, Stefanie, Bjoern)

Allgemeines/ Einleitung

Schon in der Mittleren Bronzezeit war der Handel mit Anatolien, Palästina und Ägypten ausgeprägt. Die Gründung von zahlreichen Küstensiedlungen weist auf die immer wichtiger werdenden Kontakte nach Osten hin. Hauptexportgut war der für die Bronzeherstellung wesentliche Rohstoff Kupfer, was durch zahlreiche Funde von Schiffswracks mit Barrenladungen vor der kleinasiatischen Küste belegt wird. Die großen Städte und Handelszentren der Spätbronzezeit, wie Enkomi, wurden in dieser Phase zu Festungen ausgebaut.

Kurz vor Ende der Periode kam es zu weitreichenden oder teilweisen Zerstörungen der vorhandenen Festungen. Eine Hypothese bezieht sich dabei auf Überfälle durch z.B. Ägypter, eine andere vermutet interne Konkurrenz um fruchtbares Land und Rohstoffe.

In der ersten Phase der späten Bronzezeit herrschte im östlichen Mittelmeer durch die Gründung der 18. Dynastie in Ägypten eine gewisse Stabilität und die Handelszentren auf Zypern wurden wieder errichtet. Es folgte eine Zeit der wirtschaftlichen und kulturellen Blüte, welche durch reiche Grabbeigaben aus der Zeit gesichert ist.

Es gibt 3 Faktoren, die für die Entwicklung Zyperns in der Antike wichtig sind:


1. Die geographische Position

Zypern lag im Zentrum des östlichen Mittelmeergebiets, nahe der Küste Syriens und an Kleinasien und sogar die Ägäis war innerhalb einer Woche zu erreichen. Damit war Zypern die ideale Durchgangsstation für die Schifffahrt vom vorderen Orient bis hin zur Ägäis. Die Seerouten liefen in Ost-West-Richtung von der Levante nach Rhodos oder Kreta. Von Rhodos aus ging es dann nördlich weiter in Richtung Ägäis, von Kreta aus nach Westen ins zentrale Mittelmeer. Zypern lag im Schnittpunkt der unterschiedlichsten Kulturen (Minoer, Mykener, Syrer, Ägypter), welche sich dort alle trafen und unter einander vermischten.


2. Der fruchtbare Boden

Durch die Möglichkeit, auf der Insel Öl, Getreide und Wein anzubauen, konnte Zypern eine autarke Lebensweis führen, da es alle Möglichkeiten und Voraussetzungen hatte, eine zahlreiche Bevölkerung zu ernähren.

3. Bodenschätze

Zypern war reich an Kupfererzvorkommen, vor allem in den nördlichen, östlichen und südlichen Randzonen des Troodos-Massivs. Das Kupfer wurde nach Griechenland, in die Ägäis, die Länder des östlichen Mittelmeeres und in den Nahen Osten exportiert.


Zypern von 1600 – 1400 v. Chr.

Die späte Bronzezeit, oder spätzyprische Periode beginnt (gleichzeitig mit der spätminoischen Periode und dem Beginn der Mykenischen Kultur). Festgemacht wird der Beginn dieser Zeit vor allem an der Keramik (neue Stile entstehen). Die internationalen Kontakte werden intensiviert und ausgebaut, man hat weitreichende Verbindungen über die See. Zypern wird eingebunden in die internationalen Beziehungen der Hochkulturen, was zum Aufschwung der Insel führt.

Es wird Keramik (Bichrome wheel-made, Base Ring I, White Slip I) nach Syrien & Palästina exportiert, allerdings nicht gen Westen, da die dortige lokale Keramik besser war, sowohl in Art der Fertigung, als auch im ästhetischen Sinn und im Gebrauch bzw. Verwendung. Kontakte in den westlichen Teil des Mittelmeeres zu dieser Zeit werden aber auch durch Funde von white-slip und base-ring Keramik bis zur Ägäis-Insel Thera belegt.

Um 1500 v. Chr. taucht eine auf Tontafeln geritzte lineare Schrift auf, die mit der minoischen Linear-A Schrift verglichen und als Kypro-Minoische Schrift bezeichnet wird. Es wird vermutet, dass die Schrift in Folge der Handelsbeziehungen zwischen den Inseln Zypern und Kreta nach Enkomi gelangte, denn ausschließlich dort wurden die Tontafeln gefunden.

Die kypro-minoische Schrift stellt einen Hinweis auf einen hohen wirtschaftlichen Organisationsgrad dar, da man ohne schriftliche Aufzeichnungen nicht mehr auskam. Zusätzlich dokumentiert die Existenz dieser Schrift die Verbundenheit gen Westen, da man auf einer Insel so nah gelegen an Mesopotamien doch eher die dort verwendete Keilschrift vermuten würde. Die kypro-minoische Schrift wurde auf Zypern bis ans Ende der Bronzezeit verwendet.

Die Kultur des 16. und 15. Jahrhunderts definiert sich weitestgehend über die Grabausstattungen der Nekropolen. Dies waren Unterirdisch angelegte aus dem Fels gehauene Grabkammern, in Form und Konfiguration uneinheitlich, mit einem kurzen senkrechten Einstieg. Es gab vornehmlich Körperbestattungen, dazu ließen sich Familienverbände oder sogar kleine Dorfgemeinschaften häufig im Kollektiv bestatten. An Grabbeigaben fand man Tongefäße für die Nahrung der Toten, Schmuck, Waffen und Gerät.

Gelebt wurde in dieser Periode in Streusiedlungen, d.h in kleinen Dörfern mit willkürlicher Anordnung der Straßen und Gebäude – ohne System. Die mehrräumigen und recht komplexen Häuser waren Lehmziegelaufbauten über einem Bruchsteinsockel, zu Schutz des Mauerwerks vor Feuchtigkeit. Neben den Siedlungen entstanden auch Befestigungsanlagen.

Im 14. Jh. v. Chr. findet all das eine kontinuierliche Fortsetzung. Außenkontakte nehmen deutlich zu. Der Export von zyprischer Keramik (jetzt White-Slip II, Base Ring II) wird quantitativ noch gesteigert. In der Grabausstattung der zyprischen Oberschicht findet man vermehrt mykenische Keramik.

Nach dem Niedergang der minoischen Macht kurz nach 1400 v. Chr. entdeckten die Mykener die Insel als Stützpunkt im Handel mit Syrien und Palästina und eine weitere Blütezeit schloss sich an, die etwa bis in die zweite Hälfte des 1200 v. Chr. andauerte.


13. bis 11. Jahrhundert v. Chr.

Die Streusiedlungen entwickeln sich zu großen stadtartigen Siedlungen (z.B. Enkomi, Kition, Hala Sultan Tekke und Alt-Paphos). Diese neu errichteten Städte weisen gewisse Merkmale einer Planung auf:

- Mittelstraße von Nord nach Süd

- Rechtwinklige Abzweigungen von Ost nach West

Daraus entstandene Insulae von immer gleicher Breite.

Die Häuser waren aus Quadermauerwerk, deren Vorbilder wohl in der Levante zu finden sind und es gab individuelle Heiligtümer von unterschiedlicher Anlage und Gestaltung.

Der gesamte östliche Mittelmeerraum war im 13. Jh. und im 12. Jh. gekennzeichnet durch Unruhen, Zerstörungen und Völkerwanderungen. Zypern blieb davon nicht verschont. Kurz vor 1200 v. Chr. dann wurden einige große Handelzentren wie Enkomi und Kition durch Überfälle von Seevölkern größtenteils zerstört, anschließend aber wieder aufgebaut. Städte wie Maroni und Kalavassos – welches bis dahin ein Zentrum von Landwirtschaft und Metallhandwerk war - allerdings nicht. Durch die Einwanderung von Gruppen von Menschen zum Teil aus dem Ägäisraum entsteht Unruhe auf Zypern und es entstehen verschiedene kleinere Städte im Landesinneren, die zu ihrem Schutz befestigt werden.

Kennzeichnend für die Zeit ist das Verschwinden der mykenischen und das erneut vermehrte auftauchen der lokal hergestellten Keramik.

Der wachsende Einfluss der Achäer auf Zypern in der Folgezeit zeigt sich in dem zunehmenden Auftreten von lokal hergestellter mykenischer Keramik und in der Entwicklung (bzw. Übernahme) neuer Techniken und Stile in der Metallverarbeitung.

Nach 1200 v. Chr. taucht erstmals lokal gefertigte mykenische Keramik auf.

Überall auf der Insel gab es an der Wende vom 13. Jh. zum 12. Jh. kleinere befestigte Plätze – z.B. Maa-Palaiokastro), welche wohl nur ganz kurz bewohnt waren und der Bevölkerung des offenen Landes augenscheinlich als Fluchtburgen während der Unruhen und Zerstörungen gedient haben.

11. Jh. v. Chr. – das Ende der Bronzezeit.

Der Zusammenbruch des Staatensystems im östlichen Mittelmeerraum und der damit verbundene Niedergang der zyprischen Handelspartner war verantwortlich für die Auflösung der Städtekultur auf Zypern. Die Handelsbeziehungen brachen fast komplett ab.
Allerdings bildeten sich kleinere politische Einheiten unter der Führung lokaler aristokratischer Eliten.

Um 1100 v. Chr. (oder früher) brachte die so genannte „Dorische Invasion“ eine neue Welle von Einwanderern aus dem ägäischen Raum, womit die !Hellenisierung! auf Zypern beginnt.

Die daraufhin erneut einsetzende Zeit der Blüte wird hauptsächlich durch das Auftreten von neuen Stilen in der Keramik und ägäischen Formen in der Produktion von Bronzegeräten geprägt.

Das Ende der Städte Enkomi und Kition wurde vermutlich durch eine Naturkatastrophe eingeleitet, der eigentliche Grund für ihre Aufgabe ist aber wohl in dem Versanden ihrer Häfen zu sehen.
Mit der Gründung der Hafenstadt Salamis als Ersatz für Enkomi endete schließlich die Spätbronzezeit auf Zypern.

Kupferhandel

Kupfer war im Nahen Osten und in der Ägäis nicht ausreichend vorhanden. Daher mußte der Bedarf über den Import gedeckt werden. Zypern war eines von zwei Kupfererzvorkommen im Mittelmeer, welche leicht zu erreichen waren (das zweite lag in Anatolien), daher ein zentraler und günstiger Standort für den Import und somit sehr sehr gefragt.

Dadurch begünstigt wurde Zypern ein Zentrum für den Handel mit Luxusgütern. Aus dieser Zeit stammt unter anderen auch ein Brief eines (oder des) Königs von Alashiya (Zypern) an den ägyptischen Pharao Echnaton, in dem er die Lieferung von Kupferbarren und Anderem als Tribut ankündigt und gleichzeitig verschiedene Waren als Gegenleistungen erbittet.
Diese in Keilschrift verfasste Korrespondenz ist Teil der s.g. „Amarna-Briefe“ in denen Könige Gold für Loyalität vom Pharao fordern und 1885 in Amarna gefunden wurden

Zwei vor der lykischen Küste gefundene bronzezeitliche Schiffswracks, und zwar am Kap Gelidonya (datiert auf 1200 v. Chr.) und das zweite westlich von Ulu Burun (aufs 14. Jh. v. Chr. datiert)

Das Schiff von Ulu Burun hatte zusätzlich noch Zinn an Bord, welches zur Herstellung von Bronze unentbehrlich ist. Das Zinn wurde wohl aus dem innerasiatischen Raum importiert.

Kunst & Kunsthandwerk

Neben dem Kupfer gab es auch noch einen florierenden Handel mit Handwerk…

Ab dem 13. Jh. z.B. gab es Elfenbeinkünstler, welche die ägyptische, nahöstliche und ägäische Ikonographie vereinten und daraus einen eigenen Stil kreierten. Typisches Produkt waren reliefierte Spiegelgriffe mit figürlicher Darstellung.

Auch Spiegelglyptik, Steingefäß-, Fayence- und Glasproduktion weisen starke Einflüsse dieser Vorbilder auf. Nur das Goldschmiedehandwerk führte seine lokalen Traditionen größtenteils weiter.

Das zyprische Bronzehandwerk allerdings war zu dieser Zeit konkurrenzlos und überall begehrt. Vor allem bronzene Gefäßständer (meist Dreifüße), benötigt für die Ausübung von kultischen und rituellen Handlungen oder aber auch als Grabbeigaben, wurden rege in fast alle Kulturgebiete des Mittelmeeres exportiert, da sie wichtige Funktion im jeweiligen Kult erfüllten.

Ab dem 12. Jh. v. Chr. findet neben Bronze auch Eisen Verwendung bei der Herstellung von Waffen und Gerät. Eisenerz war auf Zypern in den Deckschichten der Kupferlagerstätten reichlich vorhanden.

Religion

Zypern ist bekannt als „Insel der Aphrodite“ mit Paphos als Geburtsort der Göttin.

Der Mythos: Aus weißem Meerschaum geboren, betritt die Liebesgöttin Aphrodite bei Alt-Paphos den Strand Zyperns.

Dort steht auch ein Heiligtum, welches um 1200 v. Chr. gebaut wurde. Tempelprostitutution soll ein Teil der dort abgehaltenen Riten gewesen sein, d.h. dass Männer durch Votivgaben (meist wohl in Form von Geld) das Recht erwarben, eine junge Frau zu deflorieren.Religion ist in der Späten Bronzezeit auf Zypern anfangs stark orientalisch beeinflusst, was man sehr gut an den in zyprischen Gräbern gefundenen Terrakotten sehen kann, welche den syrischen sehr ähneln. Später ist auch noch eine mykenische Prägung zu erkennen. Die angebetete Göttin, abstammend von einer prähistorischen Fruchtbarkeitsgöttin, wurde von den Zyprioten allerdings nicht Aphrodite genannt. Dieser Name kommt wohl erst später von den Griechen. Die Zyprioten nannten sie schlicht Anassa – was „Herrin“ bedeutet.
Die religiöse Ideologie auf Zypern war eng mit dem Metallhandwerk verknüpft. Man betete Schutzgottheiten des Bergbaus und der Bronzegießerei an, worauf Votive, die Bezug auf das Metallhandwerk nehmen, schließen lassen. Aphrodite soll die Gattin des Gottes für Metallhandwerk gewesen sein. Als Fruchtbarkeitsgöttin gewährte sie auch den Mineralien der Insel Schutz. Ihre Heiligtümer wurden an Kupferwerkstätten angeschlossen, um diese dadurch zu schützen.